Team Bittel
 

07.11.2010 - LGA-Indoor-Marathon in Nürnberg  

Autor:  KaiSchlachter   E-Mail: murphy§murphyslantech.de
Letzte Änderung: 07.11.2010 22:15:21

Indoor Laufen ist anders. Ich laufe gern in der Landschaft, aber dies hier hat auch was!


Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Laufsaison ist mangels guter Witterung beendet, aber nur fast. Eine kleine eingeschworene Gemeinde trifft sich kurzerhand unter Dach und läuft dort. Außerdem gibt es meist am gleichen Wochenende den Amberger-Ultra-Lauf (kurz AULA). Den habe ich schon mitgemacht, doch dieses Jahr habe ich mir einen Platz beim LGA-Indoor-Marathon sichern können. Ist zwar im Gegensatz zu Amberg "nur" ein Marathon, aber eine neue Erfahrung ist auch mal was. Da der Platz in der Landesgewerbeanstalt in Nürnberg begrenzt ist, gibt es eine Limitierung der Teilnehmerzahl. Meist sind die Startplätze schnell weg und ich habe mich daher schon aus den USA angemeldet. Habe es kaum glauben können, als die Anmeldebestätigung kam. Manchmal muss man eben Glück haben.

Also mal wieder mal auf nach Nürnberg ins herrliche Franken, fast an dem Ort an dem meine Lauferei ihren Anfang genommen hat, März 2007. Klar, dass alte Bekannte bei dem Lauf dabei sind: Im Raum Nürnberg kann ich kaum auf einen Lauf gehen ohne nicht ein Mitglied von Helgas Lauffreunden oder Team Bittel zu sehen. Heute hatte ich sogar die Ehre den Meister Erwin Bittel persönlich zu sehen. Zudem hatten Helga und Thomas einen Platz ergattert, Thomas hat während meines Praktikums und dem Laufbeginn seine Diplomarbeit geschrieben. Mittlerweile bin ich selbst fertiger Diplom-Ingenieur. Thomas hat aufgrund seines ausgefüllten Terminplans nur die halbe Strecke auf sich genommen. Helga und ich machen ja keine "halben" Sachen, wenn Längeres im Angebot ist.

Zum Lauf selbst: Er ist alles andere als ein Marathon, den man mitmacht wie jeden anderen. Sicherlich hat jeder Marathon seine Highlights, was die Strecke betrifft. Der LGA ist da eine ganz besondere Sache: Man läuft in den Büro-Gängen der LGA. Da die Gänge nicht breit genug sind für zwei Laufbahnen in beide Richtungen, werden kurzerhand 2 Ebenen verwendet. Verbindung ist jeweils ein Treppenhaus. Insgesamt sind 400 Höhenmeter die zu überwinden sind, verteilt auf 55 Runden. Hört sich alles machbar an. Der Rundenlauf ist einerseits monoton und sicherlich kein Vergleich zu einem Lauf durch die wunderschöne Herbstlandschaft, wie in Amberg. Dafür hat er andere Vorzüge: Man kommt alle 767m an der Verpflegungsstelle vorbei, ebenso an den zahlreichen Fans im Foyer (wo anders hätten die gar keinen Platz). Ritmo Candela, eine Samba-Band begleitet den Lauf in drei Schichten, und natürlich Moderation und Musik. Jede Runde (767m) kommt man vorbei. Dann geht es wieder eine Etage runter und wieder hoch.

Um an den Austragungsort zu kommen, habe ich mich in weiser Voraussicht für den ÖPNV entschieden, auch wenn meine Übernachtung weit außerhalb Nürnbergs lag. Es fährt auch Sonntags alle 40 Minuten ein Bus. Im Praktikum habe ich gelernt, dass es in Nürnberg noch abgelegener geht, da fährt nicht mal ein Bus hin.

Warmlaufen war wegen der Strecke von mehr als 30km zur LGA keine Option, auch es malerisch am Main-Donau-Kanal entlang geht. Doch es regnete ekelhafterweise frühs schon Bindfäden. Die Anbindung ist ok, nur die 20 Minuten Wartezeit auf dem zugigen Bus-Bahnhof in Röthenbach waren aus Kaugummi.

Vor dem Start das Übliche: Man trifft sich, unterhält sich ein wenig. Im Gegensatz zu den "normalen" Laufveranstaltungen gibt es beim Indoor-Marathon vorher eine Einweisung, was zu beachten ist: Es wird Wert darauf gelegt, dass in den beiden Treppenhäusern nicht überholt werden darf - sie sind zu eng.

Pünktlich um 11.00 Uhr ging es los. Schon lustig so zwischen Büros und Prüständen zu laufen. Die ersten Runden waren noch reichlich gestopft und das Feld zog sich nur langsam auseinander. Spätestens am ersten Treppenabgang staute es sich ein wenig. Aber ansonsten eine ganz nette Strecke. Etwas ungewohnt ist der ständige Klima-Wechsel zwischen den einzelnen Bereichen: In einem Teil des Foyers pfeift der Wind herein, in der Rundschleife nebenan steht die Luft fast, also ein Wechselbad der Temperaturen: Es war dank gekippter Fenster überall luftig und angenehm kühl. Mit kurzem T-Shirt und langer Hose fühlte ich mich recht wohl.

Ehe man sich versieht sind die ersten Runden gelaufen, und man hat einige Bekannte wieder gesehen. Dietmar Mücke als Kobold war wieder dabei. Und wie es Mücken so tun, flog er an mir vorbei - wie üblich ohne Besohlung und im heiß geliebten Pumuckl-Kostüm samt roter Nase und roten Haaren. Auch Erwin habe ich in der Ferne erspäht, nur diesmal war er wohl kein Genussläufer, stattdessen wetteiferte er scheint es mit Dietmar um die Platzierung. Doch es schien nur so, die beiden guten Freunde wollten einfach zusammen bleiben. Angesichts meines nicht ausreichenden Trainingszustands: Keinerlei Chance mich ein Stück ranzuhängen. Also Blick auf die Pulsuhr und schauen was die sagt: Jeweils nach der Belastung beim Aufstieg um die 170, bis ich wieder am Anstieg war um die 160. Also für mich alles ok, wobei mir klar wurde: Etwas weniger wäre gut zum Durchhalten.

Auf Runde 6 traf ich erstmals Helga, ich habe sie überrundet.
Eigentlich nicht nett, aber ein gutes Gefühl. Ich weiß: Letzter bin ich mal nicht. Das hat sich gut eingespielt - ungefähr alles 6 Runden habe ich Helga überholt, und ungefähr alle 5 kamen Dietmar und Erwin an mir vorbei. Bis Runde 12 hatte ich keinen Durst oder Hunger. Dafür meldete sich der Flüssigkeitshaushalt um so dringlicher. Aber kein Problem, jede Runde besteht ja die Option an der Verpflegung Getränke abzugreifen. Bis zur Hälfte der Strecke bei 27 Runden habe ich mir angewöhnt alle 2 Runden zuzugreifen, immer im Wechsel: Ein Happen zum Essen und beim nächsten Mal etwas zum Runterspülen. Mein Magen war leider auf das ISO-Zeug während der Belastung nicht gut zu sprechen, es hat ordentlich rumort. Ich habe mich daher auf Wasser verlegt, und nur gelegentlich einen Schluck Iso dazwischen. Vielleicht hätte ich mal die Cola probieren sollen? Aber das war mir zu heiß. Mittlerweile wurden die Flure leerer, denn die Halbamarathonis waren fertig. Stattdessen zischten nun die Staffelläufer (je 8 Leute pro Staffel) an einem vorbei. Klar bei nur 7 Runden hätte ich auch anders herangehen können. Die Treppen gingen leidlich bei mir - mein regelmäßiges Training im heimischen Altbau mit mehreren Getränkekästen machte sich bemerkbar.

Ab Runde 30 wurden mir die Beine schwer, ich kämpfte mich weiter durch. Endlich die 35. Runde, nur noch 20 bis ins Ziel. Mittlerweile griff ich häufiger bei der Verpflegung zu, hauptsächlich Mineralwasser auch wenn ich das Gefühl hatte: Das ist zu wenig. Runde 40, noch 15 Runden, also 15 Mal im Treppenhaus hoch. Mittlerweile leerte sich die Strecke weiter. Erwin war schon fertig und schaute sich noch ein wenig die anderen Läufer an. Schön, wenn ich nur auch schon so weit wäre. Dafür fielen jetzt verstärkt die Teilnehmer der Down-Syndrom-Staffel auf, immer einen Begleiter/Motivator dabei. Wann immer sie jemand überholte und noch Luft und Kraft hatte, wurden sie netterweise mit motiviert und angefeuert. Finde ich eine echt beachtliche Leistung. Vor den Treppenhäusern hieß es für diese Teilnehmer denn immer: Warten bis eine Lücke frei ist, damit nichts schief geht.
Was ich sehen musste: Das klappte wie am Schnürchen, die sind die Stufen schneller hochgekommen als ich. Nun gut, mehr als 40 Runden gehen nicht spurlos an mir vorüber.

Mittlerweile hatte ich mich aufs Auf- und Abwärtszählen verlegt, immer im Kopf, die wievielte hast du gerade gemacht? Was ist die nächste Nummer und wie viele Runden geht der Spaß noch? Schon ziemlich fertig erreichte ich die Runde 50. Es zog sich alles und ich habe jede Runde weiter Wasser zugeführt, auch wenn es Zeit kostete. Ohne diesen "Schmierstoff" ging grad nix mehr. Aber es sind nur noch 5 Runden. Kurz zuvor war mein Laufpartner Rudi als Zuschauer aufgetaucht, zum Anfeuern auf den letzten Runden. Selbst konnte er dieses Jahr krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Auch wenn es motiviert. Etwas Demotivierendes kam dazu: Neben der Strecke wurde die Siegerehrung abgehalten. Podestplätze konnte ich ja vergessen, aber es frustet schon. Nach jedem Anstieg kam nun der Gedanke: Noch 4x, noch 3x, noch 2x, noch ein letztes Mal. Die Uhr war jenseits der 4h angekommen. Ich hatte zwischenzeitlich noch den Wunsch gehegt, unter dieser magischen Marke zu bleiben: Aber was nicht drin ist, sollte man auch nicht versuchen. Ziemlich geschafft habe ich das Ziel durchquert. Gehen konnte ich noch, aber es tat kurze Zeit später alles weh und mir war kalt. Fast so wie ich das 2009 bei der langen Ulmer Laufnacht erlebt hatte. Aber an Essen war gerade nicht zu denken, nur Durst hatte ich. Im Verpflegungsbereich habe ich mir erst mal nen Liter Wasser einverleibt, ein wenig besser wurde es dadurch. Ich habe mich mit Rudi und Heinrich getroffen, mir war immer noch kalt. Das zugige Foyer machte es nicht besser. Rudi meinte nur: "Nicht nur Wasser, trink mal was ordentlich Zuckerhaltiges. An der Verpflegung habe ich dann Cola gebunkert, das Zuckerhaltigste was es gab. Und tatsächlich, das macht einen riesigen Unterschied. So langsam ging dann auch Essen, auch wenn ich den Kuchen in mich reinzwingen musste. Lecker war er. Nächste Maßnahme: Warm duschen und was Warmes anziehen. Und wieder wurde es besser. Danach einen weiteren Schwung Kuchen und süße Getränke, dann blieb nur noch der Muskelkater übrig.

Da Helga mittlerweile fast alleine auf der Strecke war, haben wir sie gemeinsam auf den letzten Runden angefeuert. Jeder der noch im Foyer anwesend war, hat mit eingestimmt als sie auf die Zielgerade ging. Richtig klasse.

Fazit: Ein alternatives Lauferlebnis. Ich weiß noch nicht, ob ich ihn 2011 wieder in den Plan aufnehme, oder stattdessen nochmal in Amberg mitmache? Beides wäre nur mit übermäßig guter Kondition machbar. Aber ich habe eines gelernt: Unterschätze die Treppen nicht! Ich werde mir eine treppenhaltige Strecke in den meinen Trainingsplan aufnehmen. Immerhin haben Treppen die Eigenschaft meist im Innern zu sein. Das macht sie bei Winterwetter attraktiv. Zudem habe ich heute gemerkt, dass es Muskelgruppen gibt die ich bisher noch nie trainiert habe. Sicherlich kein Fehler das nachzuholen und die in Form zu bringen. Vielleicht tragen sich dann auch die Getränkekästen leichter? Oder ich kann mehr davon auf einmal nach oben wuchten.


C.U. Kai
 
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